Wacken Open Air 2011

04. - 06. August 2011
Wacken, Schleswig Holstein


Eine Berichterstattung vom Wacken Open Air ist immer auch eine Berichterstattung in Superlativen. Das Größte. Das Lauteste. Das Härteste. 80.000 Metalheads pilgern immer im August in das beschauliche Dorf im Norden Deutschlands und feiern dort drei Tage (die ganz Harten sogar eine komplette Woche) lang das Fest des Jahres!


Im Folgenden ein paar Worte zu unseren Highlights des Jahres 2011 auf dem heiligen Acker:

Ozzy Osbourne – der 'fucking Prince of fucking Darkness' ist inzwischen zart wie ein Lämmchen. Längst vergessen sind die Zeiten der abgebissenen Fledermäusköpfe. Auch die 'Special Effects' seiner Bühnenshow regten eher zu allgemeiner Erheiterung als zu gruseliger Stimmung an. Schaum, den er mit einem Schlauch in die ersten Reihen spritzte (die Securitys, die gerade Leute aus dem Publikum zogen, danken es ihm sicher noch immer) und 3 (in Worten: drei !!!) Wassereimer, die er wohl eher in den Bühnengraben entleerte als in die Massen, beeindruckten wenig und doch hatte der Auftritt alles, was man von einem Headliner auf dem W:O:A erwartet: einzigartige Stimmung, das gewisse Maß an ehrfürchtigem Erstarren und das Gefühl, Teil etwas Besonderem gewesen zu sein.

Bülent Ceylan – Im ersten Augenblick mag man als Unwissender irritiert aufhorchen, wenn man liest, dass ein Comedian auf dem Wacken zu sehen war. Wer den Deutsch-Türken allerdings kennt, der weiß, dass diese Kombination nicht so unmöglich erscheint. Und genauso wahnwitzig gestaltete sich auch die halbstündige Performance von Bülent, der es sichtlich genoss, einmal nicht der Paradiesvogel unter vielen zu sein, sondern ein Teil der Familie. Sein Metallerherz dürfte besonders am Ende seiner 30 Minuten schneller gepumpt haben, als er in einem schwarzen Gummiboot und mit wehender Mähne über die Köpfe der ersten Reihen in den Sonnenuntergang schipperte.

Blind Guardian – sind ja im Norden Deutschlands schon länger nicht mehr live gesehen worden. Nun endlich war es seit langem mal wieder soweit und die Fans dankten es den vier Mannen um Hansi Kürsch mit viel Applaus und einer ganz besonderen Stimmung auf dem Infield.

Suicidal Tendencies – Crossover-Punk-Trash-Hardcore vom feinsten. Für alle, für die True Metal nicht das Richtige war, gab es von den Jungs um Mike Muir das Gegengift. Auf den ersten Blick erscheinen die fünf Musiker auf einem Metalfestival ein wenig falsch aufgehoben, könnten sie doch genauso gut mit 50 Cent eine Villa und Frauen teilen. Doch bereits die ersten Töne konnten auch diejenigen im Publikum überzeugen, die die Band zuvor noch nicht live gesehen hatten.

Heaven Shall Burn – die wohl am besten angezogene Metalband des Festivals und somit sicher Schwiegermuttis Liebling – wäre da nicht diese laute Musik - überzeugte durch eine solide Performance, der in diesem Jahr jedoch das gewisse Extra fehlte (man möge sich an den Circle-Pit immensen Ausmaßes im Jahr 2009 erinnern). Trotzdem ist der Fünfer aus Thüringen immer wieder ein gern gesehener Gast auf dem W:O:A.

Ensiferum – fielen zur Mittagsstunde auf dem Festivalgelände ein und riefen zum Kampf. Epische Gesänge und folkloristische Melodien trafen hier auf harte Riffs und die 'Romantik' einer blutigen Schlacht. Wer bekommt da nicht Lust, in See zu stechen, um fremde Länder zu erobern?! Im Zweifel steht dem Zuschauer im Anschluss an die Show aber wenigstens der Sinn nach Wein, Weib & Gesang im Wackinger Village.

Apocalyptica – eine kleine Nachtmusik? Nicht mit Apocalyptica! Spielten sie letztes Jahr noch im Tageslicht den Secret-Gig auf dem Red Bull Bus, so war dieses Mal die Sonne bereits längst dem Mond gewichen, ehe die Finnen um Eicca Toppinen die Bühne enterten. Wer jedoch denkt, dass zu dieser nachtschlafenden Zeit herzlich wenig Leute auf das Gelände strömten, um 3 Cellisten und einen Drummer zu sehen, der war schief gewickelt. Selbst um 2 Uhr morgens wussten die Musiker mit Songs wie 'Last Hope' oder 'Seek and Destroy' zu begeistern.

Kyuss Lives! - Rückkehr zu den Lebenden. Nach der Wiedervereinigung der Gruppe um Sänger John Garcia war auf dem Acker schon eine gewisse Erregung zu verspüren als der Auftritt der Band in der kalten Freitagnacht näher rückte. Nach ihrer grandiosen Tour in der ersten Jahreshälfte war der Besuch beim Wacken Open Air der obligatorische nächste Schritt. Die Fans haben es gedankt.

Motörhead - 'We're gonna play some Rock'n'Roll'. Leider hatte Petrus die Faxen dicke als Motörhead die Bühne betraten – immerhin war es fast 3 Tage (nicht Nächte!) nahezu regenfrei. Die Wolkendecke riss auf und es goss. Doch dies tut ja einem echten Metalhead nicht weh und einer gelungenen Motörhead-Show erst recht keinen Abbruch. Die Fans nahmen es hin und genossen den Auftritt der Gruppe rund um Fronter Lemmy Kilmister. Wie könnte es auch anders sein, immerhin bewies das Trio in 36 Jahren Bandgeschichte, dass sie es wie kaum ein zweites verstehen, zu rocken.

Judas Priest – was spricht eine deutlichere Sprache als 42 Jahre Bandbestehen?! Indirekt wahrscheinlich als DER Headliner des W:O:A 2011 gefeiert, überzeugte das Quintett selbst außerhalb des Infields all jene, die aufgrund von Überfüllung nicht mehr auf das Festivalgelände gelassen werden konnten und das Konzert in zahlreichen Reihen entlang der Absperrgitter verfolgen mussten! Da kann man ihnen nur wünschen, dass sie auf einer der verbleibenden Shows der letzten Welttournee noch einmal die Möglichkeit haben werden, ihren Metal-Göttern näher zu sein.

Pussy Sisster – Ein ehemaliger Big Brother Bewohner in Wacken?! Dieser Frage musste nachgegangen werden und so fand man sich getrieben von purer Neugierde vor der W.E.T. Stage wieder. Schien Sänger Alex im Haus noch irgendwie den 'bösen' Metalbruder mimen zu wollen, so war die Mischung aus Glam Rock und Haarspray im ersten Moment etwas enttäuschend. Hatte man diese zerstörte Illusion allerdings überwunden, konnte man Zeuge einer soliden Show werden und kam nicht umhin, an die alten Zeiten denken zu müssen, in denen Guns'n'Roses in der ersten Liga spielten.

Dir En Grey – Visual Kei meets Metalcore. Die Japaner um Frontmann Kyo sollte man gesehen haben. Selbst wer Mangas und J-Rock nichts abgewinnen kann, kommt bei den Musikern aus dem fernen Osten auf seine Kosten. Egal auf welchem Festival, egal zu welcher Zeit, diese Band weiß immer zu beeindrucken.

Subway To Sally – ein Dauerbrenner, immerhin tummeln sich die Potsdamer schon seit 10 Jahren in regelmäßigen Abständen auf dem Festival. Ob das Interesse der Besucher an dieser Konstante nach wie vor gegeben ist, bleibt dahingestellt. Eine solide Leistung kann man ihnen jedoch nicht absprechen.

Sepultura – späte Heimkehr! Diese 1984 gegründete Band hat nach fast 30 Jahren Bandbestehen nun endlich das erste Mal auf dem Wacken gespielt! Warum hat das so lange gedauert? Voll war es an diesem Samstagabend, laut war es ebenfalls. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, dass Hits wie „Refuse Resist“ und „Roots Bloody Roots“ einzig gespielt wurden, um den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden (Ja, wir wollen diese Klassiker – immer wieder!). Doch diese Band brauchte niemandem zu beweisen, dass sie zu Recht den weiten Weg aus Brasilien auf sich genommen hatten.

Children Of Bodom – Wenn Gitarrenvirtuose Alexi Laiho mit seinen 'Kindern' dem Wacken einen Besuch abstattet, kann man davon ausgehen, dass man konsequent das volle Brett Gitarrenriffs zu hören und zu spüren bekommt. Da machen selbst Starkregen und Wind nichts mehr aus. Dem Sound war damit vielleicht nicht unbedingt geholfen, aber so lange 'Living Dead Beat' oder 'Hatecrew Deathroll' durch die Eingeweide toben, ist der Zweck doch schon fast erfüllt.

Knorkator – Eigenwilliges Auftreten? Absurde Texte? Humor ist, wenn Knorkator lacht. Die meiste Band der Welt ist wieder live zu sehen und das feierten sie mit sich und dem Publikum. Ausgiebig, laut und irgendwie anders.

Helloween – eine Band mit menschlichem Gruselfaktor. Die ersten 10 Minuten des Auftritts zeichneten sich durch zweifachen Stromausfall aus (im Nachhinein wäre es wohl auch besser gewesen, hätte man diesen nicht so schnell beheben können!). Dann folgte ein nicht nennenswertes Konzert, bei dem Sänger Andi Deris die letzten 10 Minuten des Sets nutzte, um den Drummer der Band zu beschimpfen. Das Publikum quittierte dieses Verhalten zunächst mit unsicherem Applaus ehe dieser völlig verebbte und schließlich in stummes Ausharren und Warten auf ein baldiges Ende überging. Man möchte fast meinen, ein allgemeines Aufatmen gehört zu haben, als es endlich vorüber war.

Bullhead City – größer, lauter, bunter: ein Besuch im mächtigsten Zelt des Platzes. Im letzten Jahr nur halb so groß in seinem Erscheinungsbild, präsentierte sich die Bullhead City, das Entertainment-Zelt auf dem Wacken-Plaza, 2011 als imposanter Bau. Angefüllt war das Innere neben zahlreichen Besuchern mit der diesjährigen Show Masters Of Comedy, zahlreichen Wet-Tshirt-Contesten, dem obligatorischen Wrestling und einem Auftritt der Gruppe Girlschool. Wer auf dem Campground kann mit so viel Unterhaltung im Zelt schon gleichziehen?!

Full Metal Poker – Wer sein Geld in Merchandise oder Alkohol umgetauscht hatte und nun mit leeren Taschen da stand, konnte im Full Metal Poker Zelt mit anderen Zockern sein Glück versuchen und die Kasse erneut füllen oder aber mit noch weniger die Heimreise antreten.

Mobile App - In Zeiten der Smart Phones ist die Mobile Wacken App wohl eine logische Konsequenz. Wer will auf einem Festival auf die technischen Errungenschaften unserer Zeit verzichten?! So gab es alle relevanten Festivalsnews, GPS-Funktion zur Berechnung des Standortes (für all jene, die sich in nicht mehr ganz nüchternem Zustand auf dem Campingplatz zwischen der Heavy Metal Main Street und dem Highway To Hell verlaufen hatten) und Spielzeiten der Bands mit einem Klick per kostenlosen Download auf das eigene Handy. Und wer einmal zu viel mit der integrierten Taschenlampe seinen Weg durch den Zeltirrgarten erleuchtet hatte, konnte an den Handyladestationen auf dem Gelände entweder für lau oder für einen Obolus von 2 Euro seinem „Spielzeug“ neuen Saft geben.

Wackinger Village – das mittelalterliche Dorf erscheint nach ein paar Stunden vor den Hauptbühnen wie eine Oase der Ruhe. In entspannter Atmosphäre kann man sich an zahlreichen Ständen den Bauch vollschlagen und den Durst mit Met aus dem Trinkhorn löschen, es sei denn, die Highland Games sind mitten im Gange. Kampfgebrüll und Jubellaute schallen dann über den Platz, während – im besten Falle – hübsche Jungfern mutige Krieger anfeuern, die sich wacker in Ritterkämpfen schlagen und beim Bruchenball Turnier ihre Stärke beweisen.

Rabenschrey – wie war das noch gleich mit der Ruhe im Wackinger Village? Ach ja, die war vorbei. Das machten sich die Spielmänner von Rabenschrey zu Nutze und beschallten den 'Marktplatz' von der Wackinger Stage aus. Vor zwei Jahren hatten sie bereits eine tolle Party gefeiert, dieses Mal zog die Band noch mehr Anhänger vor die Bühne. So konnte man fröhlich verfolgen, wie hartgesottene Metalfans urplötzlich zu „Templerschafen“ mutieren und kollektiv Tierlaute von sich gaben.

Und wo wir gerade bei Tieren sind, bleibt zuletzt noch die Frage des Festivals zu klären: Wo bleiben eigentlich die Kühe während dieser metalllastigen Tage? Stehen die auf einem Ausweich-Acker oder haben sie Stallarrest?


In diesem Sinne: Es war wieder ein Fest & wir freuen uns auf das nächste Jahr!
Möge es noch schneller, härter & lauter werden!




Galerie:
Wacken Open Air 2011
04. - 06. August 2011



http://www.wacken.com



14. August 2011
Sabrina & anna © rockentertainment.net